Saisonziel verpasst – der Faktencheck

Das erklärte Saisonziel der Löwen, also das Erreichen der Top-Vier, ist nach menschlichem Ermessen sechs Spieltage vor dem Ende der Meisterrunde verpasst. Zeit also für eine Analyse. Was daneben gegangen ist, liegt teilweise auf der Hand. Die Frage ist: Welche Fehlentwicklungen waren absehbar, welche nicht?

Der Kader

Zu Saisonbeginn gab es große Zustimmung für das Konzept von Sportdirektor Michael Bresagk, eine junge Mannschaft aufzubieten, deren Spieler das Potenzial haben sich zu entwickeln und länger für Frankfurt zu spielen. Das Prunkstück schien dabei die Abwehr, trotz jungem Altersschnitt teilweise mit Zweitliga-Erfahrung. Das diese junge Mannschaft letztlich die Erwartungen nicht erfüllt hat, konnte man so nicht erwarten. Nun reift die Erkenntnis, dass die Spieler sich zu ähnlich waren, die stets behauptete Harmonie nicht in „verschworene Gemeinschaft“ umgewandelt werden konnte. „Wir haben Lehrgeld bezahlt“, räumte Bresagk auf Rhein-Main-TV ein, „wir hätten vielleicht auch ein ´Biest´ gebraucht, das mehr Aggression auf´s Eis bringt.“ Und vielleicht auch in die Kabine.

Verletzungspech und die Reaktion darauf

Zunächst muss man festhalten, dass das Verletzungspech die Löwen ungewöhnlich hart getroffen hat. Zunächst fiel noch vor dem ersten Spieltag der als Rückhalt geholte Boris Ackers aus. Sein Comeback im Januar stand anschließend unter keinem guten Stern. Dann verletzte sich Simon Barg im Pokal – zwei Tage nach Ablauf der Wechselfrist. Dies können nur wenige Teams verkraften, zumal seit Wochen auch noch die Verteidiger Marco Müller und Raphael Wagner verletzt ausfallen.
Hätte man darauf reagieren können, ja müssen? Nun, teilweise taten dies die Veranwortlichen. Erst kam der DEL-erfahrene Stürmer Roland Mayr, dann Verteidiger-Veteran Daniel Kunce. Mit 7 Toren aus 8 Spielen liegt Mayr auch durchaus im Soll. Doch durch den Ausfall von Barg misslang der Plan, um Mayr eine starke zweite Reihe aufzubauen.
Bleibt die Frage, ob sich die Löwen als eine Art „Versicherung“ die Dienste eines dritten ausländischen Akteurs hätten sichern sollen, auch auf die Gefahr hin, diesen fürs „Nichtstun“ zu bezahlen? Das investierte Geld hätte man durch Mehreinnahmen in der Endrunde und möglichen Playoff-Spielen refinanzieren können. Zu diesem Thema kann man unterschiedlicher Meinung sein. Michael Bresagk sagt auch nach dem „worst case“ für die Löwen: „Ich stehe zu der Entscheidung, dies nicht gemacht zu haben und würde auch jetzt nicht anders handeln.“

Leadership

Dass es den Löwen an einem „Leader of the pack“ fehlte, ist offensichtlich. Nur, konnte man das absehen? Martin Schweiger war als „Führungsperson“ geholt worden und auch zum Kapitän gemacht. Doch diese Rolle konnte der 33-Jährige weder auf, noch abseits des Eises ausfüllen. In der Abwehr hätten Thomas Schenkel und Daniel Sevo die Korsettstangen sein sollen. Schenkel jedoch blieb defensiv eher blass, konnte erst als Stürmer den ein oder andern Akzent setzen. Schwieriger zu beurteilen ist Sevo. Als auffälliger Spieler fielen auch seine Fehler auf. Aber diese geschahen häufig in dem Bemühen, etwas für das Team zu bewegen. Zuletzt stand er oft fast 30 Minuten auf dem Eis, an Engagement hat es ihm zweifellos nicht gemangelt.

Kontingentstellen

Die Idee, eine Ausländerlizenz für die Defensive zu nutzen, schien nicht schlecht. Zumal die Statistiken für Ryan Fairbarn sprachen. Doch trotz seiner bislang 37 Punkten (9 Tore) wurde der Kanadier nie wirklich zu einen herausragenden Faktor. Im Vergleich mit den Spitzenteams der Liga muss man festhalten: Die beiden Kontingentstellen sind in der Offensive besser aufgehoben.

Der Umbruch

Es wird Veränderungen geben, das ist keine Frage. Aber zu „konkreten Zahlen“ bei Abgängen will sich Michael Bresagk noch nicht äußern. Ohne an dieser Stelle in die Einzelkritik zu gehen: Mehr als acht Akteure dürften kaum übrig bleiben.

Kommentare

7 Kommentare zu “Saisonziel verpasst – der Faktencheck”

  1. MagicMike am Mi 01.02.12 18:24

    Was ich nicht verstehe: Wir haben Minimum 4000 Zuschauer und trotzdem kein Geld und auch kaufmännisch schlecht projiziert.
    Schon durch die in der Vorrunde verlorenen Derbys waren diese in der Endrunde nicht mehr ausverkauft.
    Gegen Nauheim fehlten bereits 500, gegen Kassel weitere 1500 Zuschauer. Mal vorsichtig kalkuliert kommen zu den restlichen 3 Heimspielen je 1000 Leute weniger.
    Macht 5.000 Zuschauer á €15,– = €75.000. Mal die Hälfte an Kosten weg (was Blödsinn ist, denn Hallenmiete und Ordner sind fix) bleiben 37.500 für 1,5 Monate. Es kann mir keiner erzählen, dass man dafür nicht 2 oder 3 Spieler bekommt, die auch ihr Geld wert sind.
    Oder versickert schon wieder irgendwo was?

  2. Masterguardian am Do 02.02.12 11:42

    Klar versickert etwas. Wie immer. Wo auch immer. Bei wem auch immer.
    Alleine die Tatsache das bei der 1b ein 89er Jahrgangs-Verteidiger (#21) spielt, der ganz locker das Potential 2. Bundesliga hat, aber nicht einmal zum Training in die 1. eingeladen wird, da sieht man die alten Seilschaften wieder.

  3. Mäcks am Do 02.02.12 12:33

    Es wird immer amüsanter …

  4. 35510-Eislöwe am Do 02.02.12 13:38

    …das finde ich nicht mehr Lustig.

    Sicherlich kann man die Entscheidungen der Geschäftsführung kritisieren oder auch anderer Meinung sein, aber diese Unterstellung die hier formuliert werden, sind einfach eine bodenlose Frechheit.

  5. Chuckie am Do 02.02.12 20:31

    @MagicMike und MasterG.,

    es steht euch doch offen einen eigenen Eishockeyverein aufzumachen und den genau so zu führen wie Ihr es wollt. Dann könnt Ihr so viele Spieler holen wie Ihr wollt.

  6. Zankl24 am Fr 03.02.12 14:18

    ohne einen Michael B. und der Truppe um ihn herum könnten wir uns jetzt im besten Falle Regionalliga auf dem Außenring anschauen (und das dann sicher nicht vor 4000).
    Somit sind für mich die Angriffe auf die Geschäftsführung völlig unverständlich.
    Natürlich hätten alle Eishockeyverrückten in Frankfurt sich gerne etwas mehr als Platz 5 in der Meisterrunde und 7 Derbyniederlagen am Stück unter dem Weihnachtsbaum gewünscht.
    Wichtiger als diese (zugeben wenig prickelnde) Momentaufnahme ist mir aber, dass es Saison für Saison ein Stück weiter geht in Frankfurt.
    Und da habe ich (z.Z. noch) sehr viel Vertrauen in MB und auch CB.
    In diesem Sinne hoffe ich noch auf ein paar schöne Spiele in der verbleibenden Saison (Wunder/bzw. ein Derby gäbe es mind. noch zu gewinnen) und auf eine positive Weiterentwicklung der Löwen im nächsten Winter.

  7. Winkel,Alex am So 05.02.12 17:33

    Peter Zankl,
    kann ich nur zustimmen wg. Bresl. Natürlich fehlen etwas die Einnahmen aus Enfdrunde und evtl. Play-offs. Der Westen wird nämlich m.A. nach geschlossen mit seinen 4 Teams (wohl Dtm, Duisb, B.Nauh., Kassel) die Ost und Nordvereine (Halle und Erfurt noch stärker als Norden) in die Play-offs gegen den starken Süden (habe Peiting gesehen!) einziehen. Bleibt nur zu hoffen, dass n.Saison alle drei hess. Teams (und noch Damstadt dazu, sieht gut aus) in der Obl. zusammen spielen. Wäre ganz wichtig für die Wirtschaftlichkeit!

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