3:7 gegen Hamm – Neuauflage der „Finnen-Saison“?

Es gibt so einige Schlüsselerlebnisse im Frankfurter Eishockey – auch negative. 2002/03 war so ein „Meilenstein“ mit dem sportlichen Abstieg, abgefedert durch das wirtschaftliche Aus von Schwenningen und dem Klassenerhalt. Das Sinnbild des Scheiterns ist jedoch die berüchtigte „Finnen-Saison“ 1996/97, als die Fans durch ein tiefes Tal der Tränen gingen. Die Spieler weniger, denn sie hielten sich mit Wodka-Äppler bei Laune. Nun droht im Jahr 2 der „neuen“ Löwen ein ähnliches Desaster. Ein prägnanter Begriff steht noch aus, doch das Ergebnis ist nicht minder „finnisch“. Denn spätestens nach dem peinlichen 3:7 gegen den bislang sieglosen Meisterrunden-Tabellenletzten aus Hamm steht fest: Dieses Team kann nix.
Das merken auch die Fans. Zum ersten Mal seit dem Neubeginn am 10.10.10 wurde das Team aus der Halle gepfiffen. Als besonderen „Gag“ stellten sich rund 50 Löwen-Fans in den leeren Gästeblock und feuerten „ihre“ Eisbären an. Deren Akteure bedankten sich nach Spielende mit der „Raupe“. (Ob sie die Ironie des Supports verstanden, sei mal dahin gestellt.)
Die nüchternen Fakten sind eindeutig: 7 Hessenderbies, null Siege. 5 Auswärtsspiele gegen Top-Vier-Teams, null Siege. Spiele gegen Rang 6-8: Vier Niederlagen aus 11 Spielen. Comeback-Qualitäten nach einem Zwei-Tore-Rückstand: Null.

Abwehr chaotisch, Angriff harmlos

Die Verantwortlichen sind so ratlos wie machtlos. „Natürlich hinterfrage ich mich auch, ist doch klar. Aber was soll ich machen, wenn Spieler entweder nicht in der Lage sind, den Gameplan umzusetzen oder dazu einfach keine Lust haben?“, so ein erschütterter Trainer Clayton Beddoes nach dem Hamm-Debakel. „Es ist bezeichnend, wenn Viertreihen-Spieler wie Domique Hensel oder Michael Schwarzer die Besten sind.“ Zum vierten Mal binnen 6 Spielen kassierten die Löwen 6 oder mehr Tore, im Gegensatz schossen in 10 Spielen nur dreimal mehr als 3 Tore.
Angesichts der engen Personaldecke – gegen Hamm fehlten neben den drei Dauerverletzten Wagner, Müller und Barg auch noch Max Seyller (Schulter), Marvin Bauscher (Grippe) und Daniel Kunce (Todesfall in der Familie) – kann der Coach auch schwerlich jemand auf die Tribüne setzten.

Die Rückkehr des Bulldozer-Prinzips?

Dennoch wird es Konsequenzen geben. „Es sind zuletzt Dinge vorgefallen, die eine Suspendierung rechtfertigen würden“, sagt Sportdirektor Michael Bresagk. Konkreter wollte er (noch) nicht werden. Zum fälligen Umbruch im Team wollte Bresagk zwar keine Zahlen nennen, aber guten Gewissens fällt ihm derzeit nur ein Spieler ein, der ohne Fehl und Tadel war: „Wenn Simon Bargs Verletzung problemlos ausheilt, ist er meine Nummer eins für eine Vertragsverlängerung.“ Für alle anderen gilt die Bernie Johnston-Devise: Mit dem Bulldozer in den Main schieben und gucken, wer schwimmen kann. 1997 kamen nur vier Akteure wieder ans Ufer.
Kleiner Hoffnungsschimmer: Nach dem 96/97-Desaster kamen die Lions 97/98 ins Halbfinale, nach 2002/03 ging es 2003/04 vom „Scheißhaus ins Penthouse“ zur Meisterschaft.

Kommentare

3 Kommentare zu “3:7 gegen Hamm – Neuauflage der „Finnen-Saison“?”

  1. Mike am Mo 06.02.12 09:23

    Sehr treffend kommentiert. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Nur das ? hinter “Finnen-Saison” kann man fast schon durch ein ! ersetzen.

  2. Jason am Mo 06.02.12 09:29

    Da fragt man sich angesichts der vielen Ausfälle, warum selbst dann Spieler wie Bornio keine Eiszeit bekommen, Radermacher nur wenig und einzig Blacky und Hensel wenigstens ein paar Shifts bekamen und dabei noch zu den Besten gehörten.

  3. Bischemer am Mo 06.02.12 12:03

    Dann wollen wir nach dieser peinlichen Darbietung von Arbeitsverweigerung und Charakterlosigkeit mal versuchen, einen prägnanten Begriff für diese Saison (und insbesondere deren unrühmliches Ende) zu finden. Ich mache einfach mal den Anfang und schlage “DERBYPLEITEN” vor. Bislang 7 von 8 Derbypleiten sind schon richtig erniedrigend und es werden am Ende sicherlich 8 von 8 zu Buche stehen. Alleine das ist schon bezeichnend für diese Saison: wenn es drauf ankam – kam NICHTS!!

    Ich frage mich nur, warum dieses Team einfach aufhört, zu spielen?! Wegen (zuvor) 6 Punkten Rückstand? Hätten sie sich in Königsborn nicht angestellt wie Eisprinzessinnen und gestern gegen Hamm ihre verdammte Pflicht erfüllt, würden wir jetzt von lächerlichen 3 Punkten Rückstand auf Duisburg UND Kassel reden, noch mit einem ausstehenden Spiel gegen Duisburg (man darf gar nicht drüber nachdenken!).

    Was hätte denn das Team in einer Best-of-five-Runde nach der ersten Niederlage gemacht? Aufgegeben, weil “eh schon alles verloren ist”?!

    Naja, nun ist wohl wirklich alles vorbei, also auf ein neues 2012/13…

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