3:6 in Dortmund – es geht nichts mehr

Selten genug, dass ein Titel im Autoradio so gut zum Ereignis vorher passt. „Still the same“ ist ein legendärer Titel von Bob Seger und seiner Silver Bullet Band. Und das ist auch der Titel der Löwen-Vorstellung beim Tabellenzweiten EHC Dortmund. Das immergleiche heißt zur Zeit: Die Löwen finden jedesmal einen Weg zu verlieren. Ein ermutigender Anfang ist seit dem Spiel in Kassel nicht mehr gleichbedeutend mit einem guten Ende. Im Gegenteil. Mittlerweile haben die Löwen das dritte Punktspiel in Folge verloren, jedes dieses Spiele fing eigentlich nicht schlecht an.
Auch in Dortmund nicht. Die Elche spielten ungewöhnlich vorsichtig, die Löwen standen im ersten Drittel defensiv stabil, der ewig glücklose Martin Schweiger hatte nach 10 Minuten sogar das 1:0 auf dem Schläger, konnte die Scheibe aber nicht über den schon liegenden Torhüter heben.

Die 2. Drittel-Hypothek

Alles in Allem ein passabler Beginn, die Dortmunder Fans wurden schon unruhig. Wenn es nicht diesen vermaledeiten Mittelabschnitt gäbe. Gerade 25 Sekunden waren gespielt, als sich die Löwen nach einem Turnover zu lahm in Richtung eigener Verteidigungszone bewegten und Rayan Martens den 3-2-Konter gekonnt abschloss. Auch jetzt war noch nicht alles verloren, denn Alex Althenn, direkt von der Strafbank kommend, wurschtelte den Puck zum Ausgleich (28.) ins Netz. Eigentlich ein Tor für die Moral, doch davon war (mal wieder) nichts zu spüren. Ausgerechnet Oldie Frank Petrozza (40), wegen einer Meniskusverletzung quasi humpelnd auf dem Eis war abgezockt genug für die gesunden Gegenspieler, per Onetimer aus kurzer Distanz einzunetzen. Pech für Boris Ackers, dass ihm die Scheibe ins kurze Eck rutschte. Das 3:1 war zwar ein Powerplaytor, aber ein untypisches, weil Nils Liesegang fast an zwei Gegnern vorbeispazierte.
War dieser Rückschlag schon schlimm genug, verpennten die Löwen auch den Beginn des Schlussdrittels. Diesmal dauerte es 68 Sekunden, ehe erneut Petrozza auf 4:1 für Dortmund erhöhte.

Höchstmaß an Demoralisierung

Das war´s dann mal wieder. Von „Fire inside“ (ebenfalls Bog Seger) keine Spur, stattdessen „Running against the wind“ (auch vom guten alten Bob).
Die Mannschaft ist längst an dem Punkt angelangt, wo gar nichts mehr geht. Neben den bekannten, aber kurzfristig nicht zu ändernden spielerischen Mängeln fehlt ihr jeglicher Teamspirit. Und Dortmunds Trainer Frank Gentges fand relativ höfliche Worte für einen anderen Mangel: „Von allen Topteams, gegen die wir zuletzt gespielt haben, ist Fankfurt das am wenigsten aggressive.“ Was sich auch dadurch belegen lässt, dass die Löwen ihren Gegner zwei Drittel lang zu keiner Strafzeit zwangen. Erst im letzten Abschnitt „haben wir wie Männer gespielt“, so Trainer Clayton Beddoes. Was im Umkehrschluss heißt: 40 Minuten war dem nicht so. Dazu kam, dass auch Boris Ackers kein Rückhalt war. Zwar konnte und musste man ein Tief nach seiner Rückkehr ins Tor erwarten, aber es traf das ohnehin verunsicherte Team zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.
Die Diskrepanz zwischen Wollen (das sei mal vorausgesetzt) und Können wird immer größer. Längst ist ein Grad der Demoralisierung erreicht, der ein Ende der Abwärtsspirale nicht erkennen lässt. Vielleicht mal bei Bob Seger in “Turn the page” nachhören, wie er damit umgeht.

Kommentare

2 Kommentare zu “3:6 in Dortmund – es geht nichts mehr”

  1. Mike am Sa 28.01.12 13:44

    Jetzt kann es nur noch besser werden und vielleicht hält Boris ja morgen “Like a Rock” und die Mannschaft sagt “Take a Chance”. “Nine tonight” wäre klasse, aber 5 oder 6 Tore wären auch schon gut. Vielleicht findet die Mannschaft ja doch noch den nächsten Gang und spielt es wie der gute Bruce nach dem Motto “Baby we were born to run” feat. Boris Ackers & the Ratsweg Gang. Mein persönlicher Wunsch für morgen ist eigentlich ganz einfach: “Won’t get fooled again” oder im Eishockeydeutsch: Auf geht’s Löwen schießt ein Tor.

  2. tackleberry am Sa 28.01.12 17:54

    “Wunder gibt es immer wieder” sang doch mal der Marcus, Jürgen oder? Ich hoffe immer noch, dass da mal wieder ein Abend ist an dem sich das Team den “Arsch” aufreißt. Wenn ich nicht wüßte, dass sie es schon gekonnte hat würde ich mir diese Zeilen sparen…

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