2:3 in Unna – kollektives Versagen

Wieder so eine Nacht, wo sie ratlos vor dem Bus stehen.
Wieder so eine Nacht, in der sie erst einen Vorsprung und dann das Spiel achtlos weggeschmissen haben.
Wieder so eine Nacht, in der sich Parolen und „Jetzt erst recht“-Schwüre der Löwen-Spieler in Luft aufgelöst haben.
Dafür sprach Trainer Clayton Beddoes nach der peinlichen 2:3-Niederlage in Königsborn trotz eines 2:0-Vorsprungs – nahezu eine Kopie der 2:5-Blamage an gleicher Stelle im vergangenen Oktober – Klartext: „Wenn wir so weiterspielen gewinnen wir kein Spiel mehr.“
Gemeint ist: Kopflos, planlos, ideenlos und körperlos gegen ein Team, das nur mit 7 Stürmern angetreten war und dennoch seine drei Tore fünf gegen fünf erzielte. Großartig in die Einzelkritik zu gehen, führt in diesem Fall nicht weiter. Kein Einziger hat an diesem Abend seine beste Leistung abgerufen.

Jetzt heißt es nur noch „do or die“

Im Grunde muss jeder für diese Niederlage dankbar sein – und das ist keineswegs zynisch gemeint. Angesichts der Konstellation mit fünf Kandidaten um Top-Vier-Plätze ist der Blick auf das Wesentliche plötzlich so klar geworden wie der in den Nachthimmel über der Antarktis: Es gibt keine Ausreden mehr (etwa über das Fehlen von Simon Barg), es brauchen keine Botschaften mehr auf Facebook oder Twitter verbreitet zu werden, jetzt gibt es nur noch eine einzige Antwort, nämlich die auf dem Eis.
Jetzt heißt es „do or die“, jedes Spiel wie eine entscheidende Partie in einer Playoff-Serie. Denn die drei verlorenen Punkte in Königsborn können die komplette Saison zerstören. Danach fällt die Beurteilung ganz leicht. Schafft die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand die Top-4-Qualifikation und schlägt dabei auch wenigstens zwei Mal Dortmund, Kassel oder Bad Nauheim, hat sie Charakter bewiesen. Schafft sie es nicht, würden sich alle (Selbst-)Bekenntnisse zur „guten Teamchemie“ als heiße Luft erweisen und sie hätte als Kollektiv versagt.
Sollten einige Spieler bislang zu viel gegrübelt haben, hat sich das nun erledigt. Mit dem „wenn und aber“ ist es auch vorbei. Vielleicht macht die aktuell Lage nun die Köpfe frei. Andernfalls dürften einige Jobs zur kommenden Saison frei werden.

Kommentare

Ein Kommentar zu “2:3 in Unna – kollektives Versagen”

  1. Trevor Young am Mo 23.01.12 01:59

    Leider haben Sie aus meiner Sicht in dieser Saison viel zu unkritisch geschrieben! (Früher konnte man sich auf Cherno verlassen.)
    P.S. Dies habe ich hier im Blog bereits geschrieben und auch im Forum. Sorry. ABER auf die lange Sicht sind Sie selbstverständlich der BESTE Berichterstatter.

Schreibe einen Kommentar