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Entwarnung bei Young

Die Rückenprobleme bei Jason Young sind weniger schlimm, als befürchtet. Eine Verkrampfung im Lendenwirbelbereich vor der Partie gegen Kassel wurde im Spiel durch einen Schlag zwar zunächst schlimmer, so dass Young im letzten Drittel passen und in Ingolstadt aussetzen musste. Doch die Untersuchung durch Spezialisten am Montag ergab laut Pressesprecher Matthias Scholze, „dass es sich um kein ernsthaftes Problem handelt.“ Da die Lions am Freitag spielfrei sind, hat Young etwas länger Zeit, die Verkrampfung durch Massagen und Pflege auszukurieren.

Wie immer!

Der Südhesse nennt es „Fratzengeballer“, der Kanadier „coast to coast-game“., wie es der Nordhesse nennt – es werden auf Vorschläge gewartet. Doch das Resultat ist das gleiche. Die Lions gewannen auch das 24. Heimspiel in Folge gegen die Huskies. Abseits dieser mittlerweile unheimlichen Serie: Schießen die Lions aktuell mehr als drei Tore, gewinnen sie. Kein Wunder, dass das Hessenderby mit einem neuem Rekord aufwartete: 12 Tore wie beim 7:5 gab es noch nie.

Statistik Zerknüllt

Und doch, „Cherno“ sprach den Hessen-Rekord an: „Er nahm ein Blatt Papier, zerknüllte ihn, warf ihn in den Papierkorb und sagte: Das ist der Rekord – vergesst ihn und gewinnt“, so Jeff Ulmer. Es half.
Kassel haderte - wie üblich – mit dem Ausgang: Wir waren das bessere Team“, so Stéphane Richer. Frankfurt hatte – wie üblich – den Mythos auf seiner Seite. „Auch wenn wir defensiv nicht gut spielten, haben wir einen Weg zum Sieg gefunden“, so Rich Chernomaz. 7 Wege, um genau zu sein. Oder 20 Wege in den vergangenen drei Spielen. Allerdings auch 12 ins eigene Tor. Das nervte „Cherno“: „Wir machen defensiv zu viele Fehler.“

33 Tore-Monat

Offensichtlich nicht nur ein Problem der Lions. Im November gab es allerhand „high-scoring-games“ in der DEL mit jeweils über zehn Toren: „Solche Torfestivals sind toll für die Fans – aber auf Dauer gewinnst du damit nichts.“ Aus des Trainers Sicht verständlich. 2,7 Gegentore in den vergangenen sind viel. Relativ. Denn 4,7 geschossene sind nicht minder verdammt viel. Genau, 33 in sieben Spielen. November-Rekord für die Lions.
Klar, die Gegentore gefallen „Cherno“ nicht. Doch die Lions gehen mit dem Trend der Herbst-Zeit: Ballern, was das Zeug hält. Und da sind sie die Besten der Liga. Big-boom-bang. Defensiv können sie später noch spielen.

23 – alles über die Rekordserie der Lions gegen die Huskies

Jeder kennt die Rekordserie der Lions gegen die Huskies – dennoch ist sie ein Phänomen. 15 Jahre, seit Beginn der DEL und 23 Spiele in Folge sind die Frankfurt Lions in der regulären Saison zu Hause gegen die Kassel Huskies ungeschlagen! Es soll jugendliche Fans der Lions geben die glauben, ein Heimsieg gegen Kassel sei in den DEL-Regeln so festgelegt.

Wie Alles begann

Der Mythos begann im Grunde schon im ersten Spiel am 18.11.1994. Die Kuskies führten bereits 3:0 ehe die Lions auch dank eines Hattricks von Robert Reichel noch 5:3 gewannen. Es sollte nicht das einzige Frankfurter Comeback bleiben. In der Saison 1998/99 lag Kassel in beiden Heimspielen bereits 2:0 vorn, ehe die Lions noch gewannen. Am 17. Oktober 2004, als die Lions anschließend Vorrundenerster wurden, stand es nach 32 Minuten 0:3 und nach 48 Minuten 2:4. Doch Frankfurt glich binnen vier Minuten aus und gewann dank Pat Lebeau im Shoot-out. Auch in der vergangenen Saison führten jeweils die Huskies, ehe die Lions einmal im Penaltyschießen und einmal in der Verlängerung gewannen. Oft ging es knapp zu, allein 10 der bisherigen 23 Spiele endeten mit nur einem Tor Vorsprung für Frankfurt. Der höchste Sieg war das 6:2 am 8. Januar 2002, zu Null gewannen die Lions nur vier Mal.

Kassel: Schon alles probiert

Dabei haben die Huskies schon alles versucht, um den „Fluch“ (Trainer Stéphane Richer) abzulegen. „Wir sind früh angereist, spät angereist, haben auf anderen Rastplätzen gehalten, immer etwas anders gemacht – vergeblich“, erinnert sich Ex-Manager Joe Gibbs, „je näher wir nach Frankfurt kamen, um so ruhiger wurde es im Bus.“ Selbst die große Fluktuation in den Teams macht dabei keinen Unterschied. Offensichtlich ein übergeordnetes Gesetz der Serie. Richer beschwört dagegen die „Derby-Gesetze“, “da ist alles möglich.“

Lions: Bloß nicht den Zauber beim Namen nennen

Bei den Lions wird intern über die Serie kein Wort verloren. „Ich werde einen Teufel tun und die Serie ansprechen“, sagt Trainer Rich Chernomaz, „Von mir aus kann das der Stadionsprecher tun, wenn wir zurückliegen sollten. Würde ich das ansprechen, wäre das ein schlechtes Omen.“ Auch Michael Bresagk, der weit über die Hälfte der Serie selbst miterlebt hat, sagt: „Wir reden nicht darüber. Wir behandeln das wie ein normales Spiel.“ Würde er das Thema in der letzten Drittelpause anschneiden, falls die Lions zurücklägen? „Wir brauchen keine Extra-Motivation, um einen Rückstand aufzuholen. Das hat man gegen Hamburg gesehen.“ Eishockeyspieler sind bekanntlich ziemlich abergläubisch. Für die Lions gilt daher: Spricht man den Zauber an, geht es verloren.

Nicht spektakulär, aber effektiv

Die Aussagen kommen einem bekannt vor: „Wenn das Powerplay nicht funktioniert, kann man solche Spiele kaum gewinnen“, sagte Augsburgs Trainer Larry Mitchell nach der 2:3-Niederlage bei den Lions. Noch vor drei Wochen hatten die Lions das gleiche Problem.
Das hat sich spätestens seit dem Sieg gegen Hannover mit drei Powerplaytoren geändert. Gegen Augsburg waren letztlich die Specialteams entscheidend. Die Lions trafen zum 1:0 in Überzahl und hatten danach im Powerplay noch viele Groß-Chancen. Genau so wichtig war, dass nicht nur die Unterzahl - wie schon bislang – sehr stark war und bei acht Möglichkeiten kein Tor zuließ. Mittlerweile ist eine Unterzahl auch eine Chance. Eric Schneiders Tor zum 3:1 bei 3-4 war bereits der fünfte Shorthander der Lions in dieser Saison.
„Das war eher ein hässlicher Sieg“, so Rich Chernomaz gewohnt direkt, „aber wir waren sehr effektiv.“ Gegen ein läuferisch starkes Team wie Augsburg – allerdings gehandicapt durch drei Verletzte – setzte Chernomaz eher auf kontrollierte Offensive. Im Gegensatz zum ersten Spiel gegen den AEV ließen die Lions kaum klare Breaks zu. Dennoch hatte Ian Gordon viel zu tun und war mit einigen wichtigen Saves zur Stelle. „In dieser Saisonphase geht es in erster Linie darum, keinen Boden zu verlieren“, so Chernomaz.

198 Vorlagen – Jason Young nun Nr. 1 der Lions!

Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein. Doch eines ist gewiss: Dieser Rekord dürfte über Jahre hinweg in Stein gemeißelt sein. Am vergangenen Sonntag in der Partie gegen Hannover hat Jason Young mit seinem zwei Vorlagen beim 7:3-Sieg die Führung in der ewigen Bestenliste der Frankfurt Lions in der Rubrik Assists übernommen: 198! Besonders Pass Nr. 197 zum 1:1 durch John Slaney war vom Feinsten.
Damit hat er sogar Pat Lebeau überholt, dessen 196 Vorlagen lange das Maß der Dinge waren. „Younger“, wie er genannt wird, war seine Bestmarke völlig neu: „Ich hatte davon keine Ahnung.“ Was nicht verwunderlich ist. Denn die Statistiken werfen unterschiedliche Zahlen aus. Selbst die Zahl im letzten Lions-Magazin verwirrt. Dort sind mit Stichtag 11. November 2009 für Young 166 notiert. Pressesprecher Matthias Scholze klärt auf: „Dort wurde nur die reguläre Saison erfasst.“ Inklusive Playoffs sind es also nun 198. „Es zahlt sich also aus, ein ´Dino´ zu sein“, kommentiert Young seinen Rekord lachend.

Franchise-Player par excellence

In Nordamerika sagt man zu Spielern wie Young, Michael Bresagk oder Ian Gordon respektvoll „Franchise-Player“, in Deutschland eher „Urgestein“. Spieler, die für einen Klub stehen, die einen Klub prägen. Young gehört zweifellos dazu. Seit der vor bald 37 Jahren im kanadischen Sudbury/Ontario geborene und mittlerweile in Deutschland eingebürgerte Jason Young bei den Lions spielt – er kam zur Saison 2003/04 -, hat er hier 347 Spiele absolviert. Selten war er verletzt und wenn ja, hat er meist trotzdem gespielt. Nicht umsonst war er zwischen 2004/05 und 2008/09 auch Kapitän der Lions.
Dass das „C“ in dieser Saison zu Eric Schneider weiter gereicht wurde, hätte überall woanders zu zu größeren Debatten geführt. Bei den Lions nicht. Auch, weil Young kein „Fass aufmachte“. Egal, wie er das ganz persönlich empfand – ihm kam dazu kein einziges negatives Wort über die Lippen. Auch das macht einen echten Führungsspieler aus. Dabei ist Young keineswegs stromlinienförmig. Er kann sich immer noch aufregen, ob über Schiedsrichter, Gegner – oder über eigene Teamkollegen. Wenn sie den Teamgeist stören. So ist überliefert, dass ihn in der vergangenen Saison eine solide Männer-Feindschaft mit Pat Kavanagh verband. Doch solche Internas trägt er nicht nach außen.

Nur noch 18 Punkte bis zum „All Time Scorer“

Auch seine Bestmarke kommentiert er sachlich: „Als aktiver Spieler würde ich so einen Rekord nie mit einer Meisterschaft tauschen wollen.“ Aber er räumt auch ein: „Vielleicht blättere ich später mal in den Jahrbüchern und sagen zu meinen Enkeln: Guckt mal, euer Opa war mal auf Nummer Eins.“ Möglicherweise sogar die absolute Nummer Eins in Frankfurt. Zum „All Time Scorer“ der Lions fehlen ihm nur noch 18 Punkte. Und er hat noch Vertrag bis 2011.

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