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Cherno: “Das beste Spiel”

Klar! Rich Chernomaz packte sein bestes Lächeln aus nach dem 5:2-Sieg gegen die Hamburg Freezers: „Outplayed, outscored!“
Aber, warum?
Dafür gab es zwei Gründe. Die Kritik an den deutschen Stürmern (null Tore zuvor, 3 gegen Hamburg)?
„So einfach ist das nicht“, so Cherno, „ALLE haben besser gespielt“! Was er damit meint: „Es geht nicht um den Pass! Deutsch oder Ausländer: jeder hat besser gespielt!“
Dennoch: Die 3. und 4. Reihe machten den Unterschied gegen Hamburg! Danner, Oppenheimer, Gawlik.
„The german kids are vollwertige Profis…und ich erwarte this Leistung“, so Cherno in semi-deutsch.
Für seine „Motivtion“ und Kritik im Vorfeld will er sich keine Orden anheften: „Das beste Saisonspiel. Von Allen!“
Tatsache ist: Alle hielten sich an den Spielplan. Cherno´s way.
Darum geht es.
So einfach ist Eishockey. Manchmal.

Momesso is back

Es sind diese Tage, wo alles passt. Offensiv-Spektakel auf dem Eis, good old-hockey „off ice“. Denn Augenzeuge des 5:2-Sieges der Lions gegen Hamburg war auch Sergio Momesso, ein Vertreter der „Golden 90ies“ in der DEL, jenen Zeiten um Len Barrie, Corey Millen, Chris Snell oder eben: Momesso. Ob als Spieler für Nürnberg oder Köln: Von den Gegnern gehasst, war der Hüne mit 829 NHL-Spielen dennoch einer der legendären Hightlights der Liga.
Unvergessen jener Fight um die Schwergewichtskrone der „WB-DEL“ zwischen ihm und Frankfurts Jean-Philippe „Big Daddy“ Lemoine 1998, zwei 100 Kilo-Kollosse im In-Fight, einer der intensivsten Kämpfe überhaupt auf deutschem Eis. Gefühlte zehn, echte zwei Minuten rangen die beiden, immer in Gefahr, den „big punch“ zu kassieren. Dagegen ist die NWO im Wrestling Kindergarten. Am Ende einigten sich Beide auf ein Remis. Schwer zu sagen, wer mehr geschwitzt hatte: Momesso und Lemoine – oder die Zuschauer.
Jason Young und Dwayne Norris können sich noch gut erinnern. Beide spielten mit Momesso damals in Köln in einer Reihe: „Old school hockey“ Und, klar, auch Michael Bresagk kennt Momesso noch gut. Aber wen kennt Bresagk nicht? Er, der alle Legenden hat kommen „und gehen“ sehen.
Auch mit leicht angegrauten Schläfen ist der 1,99-Mann (44), dessen Eltern aus der Nähe von Venedig stammen, nicht weniger imposant. Er macht gerade eine Deutschland-Tour. Vergangene Woche in Düsseldorf bei Ex-Coach Lance Nethery, jetzt Frankfurt bei den alten Kumpels Young und Norris, Sonntag in Nürnberg.
Letztlich sucht Momesso, der zuletzt Co-Trainer im Hamilton (AHL) war, einen Job als Head-Coach. „Deutschland war als Spieler toll, warum nicht auch als Trainer.“ Außerdem liegt es näher an Italien.

Das Bully – Fakten und Geheimnisse

Haben die Lions in dieser Saison eine Schwäche beim Bully (Face-off im englischen/FO)? Trainer Rich Chernomaz hat dies jedefalls schon früh moniert. Der Betrachter nimmt dies meist nur subjektiv wahr – immer dann, wenn nach einem Bully ein Gegentor fällt, oder beim Powerplay im offensiven Drittel der Gegner sich befreien kann. Tatsächlich ist Bully nicht gleich Bully. Ein Bully-Gewinn/Verlust in der neutralen Zone hat meist keine entscheidende Bedeutung. In Unter- oder Überzahl um so mehr.

Center haben zuletzt Flügel gespielt

Doch wie sieht die Statistik bislang aus? Sie bestätigt den Trend. Eine positive Bilanz hat nur Joey Tenute, von 65 FO´s gewann er 37. Derek Hahn blieb genau so unter 50 Prozent (58 gewonnen, 63 verloren) wie Eric Schneider (21/32), Jason Young (6/12) oder Jeff Ulmer (5/10). Wie kommt´s? Immerhin sind Tenute, Schneider und Hahn gelernte Center. Jeff Ulmer hat dafür eine interessante Erklärung: „Joey Tenute, Eric Schneider und ich haben zwar Center-Erfahrung, in der vergangenen Saison aber alle als Flügel gespielt. Bullys sind eine Erfahrungssache, da haben wir derzeit noch Nachholbedarf.” Und die Saison ist ja auch noch jung.

Gute Face-off´s, gute Saison

Blickt man auf die vergangenen Jahre, fällt verschiedenes auf: In guten Spielzeiten hatten die Lions auch immer gute Bully-Spieler. Im Meisterjahr 2004 lagen Mike Harder bei 54 %, Michael Hackert bei 53 %, Jesse Belanger bei 52,6 %. 2004/05 hatte der ansonsten umstrittene Marc Beacauge starke 59 %, Pat Lebeau immerhin auch noch 55. Ein Jahr später, in der schwachen Saison 2005/06, gab es auch keinen überragenden Bully-Spieler.
Dann kamen die drei Jahre des Chris Taylor. Bei aller Kritik, die er einstecken musste, er war nicht nur jeweils Topscorer der Lions, auch am Bully-Punkt war er immer stark: 55,5 Prozent 06/07, 07/08 lag er bei 57,3, zuletzt bei 57,5 %.

“Bullys sind wie Rebounds”

Doch die reinen Statistikwerte sagen, wie schon erläutert, noch nicht viel aus. Derek Hahn gewinnt zwar nur rund 50 Prozent, oft aber die wichtigen FO´s. Der wohl dramatischste Bullyverlust war jener 2006/07 in Mannheim bei “59:59”-Spiel, als der Schiedsrichter ein Mannheimer Icing übersah, es Bully in der Lions-Zone gab, Taylor das Anspiel verlor und Mannheim eine Sekunde vor Spielschluss ausglich.
Davon abgesehen nennt Rich Chernomaz noch ganz andere Gründe für einen Bullygewinn: “Genau so wichtig ist, dass die eigenen Mitspieler entsprechend in die wegspringende Scheibe reingehen und sich nicht abdrängen lassen. Das ist wie bei einem Rebound vor dem Tor – es muss auch jemand da sein, der den Puck will.”

Höflich verloren, statt dreckig gewonnen

Einerseits konnte Rich Chernomaz zufrieden sein. Das Spiel der Lions in Nürnberg (1:3) war das perfekte Beispiel, wie man NICHT Spiele gewinnt: „Hart im Zweikampf, Zug zum Tor“, hatte der Coach noch am Donnerstag gefordert. Eine Mannschaft spielte auch so, allerdings die Ice Tigers. Die Lions ließen sich vom ersten Drittel blenden, als ihnen die Verteidigung zu leicht gelang. Ohne allerdings selbst offensiv einen Schlag zu landen. „Wenn man nicht in die gefährlichen Zonen vor dem Tor geht, kann man auch nicht treffen“, monierte Chernomaz.
Während die Lions-Herrlichkeit schnell verwelkte, arbeitete sich Nürnberg in die Partie. „Wir müssen endlich auch anfangen, dreckig zu spielen und die harte Arbeit annehmen“, forderte Chernomaz nach dem Spiel, „statt zu glänzen, müssen wir Tore erzwingen.“ Wie das geht, dafür gaben die Ice Tigers den besten Anschauungsunterricht. Chernomaz braucht also nicht viel reden, sondern nur die DVD mit den besten Nürnberger Aktionen in den Player schieben.

Schneider zum Nürnberg-Spiel zurück

Kapitän Eric Schneider wird zum einzigen Spiel des Wochenendes der Lions am Freitag in Nürnberg wieder zurück sein. Er wird am Donnerstag in Frankfurt erwartet. Schneider war vergangene Woche nach Calgary geflogen, um seinem Vater in den letzten Stunden beizustehen. Nachvollziehbar, dass er in den vergangenen Tagen nicht viel trainieren konnte. Zudem plagt ihn eine Erkältung. Aber: “Wir sind froh, ihn zurückzuhaben”, so Pressesprecher Matthias Scholze. So können die Lions wieder mit vier halbwegs vollzähligen Angriffsreihen agieren.

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