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Einer steht auf der Kippe

Dwayne Norris klang am vergangenen Mittwoch auf der Saison-PK der Lions etwas kryptisch. Auf die Frage, ob alle Personalfragen geklärt seien, antwortete er: „Wer Vertrag hat und gesund ist, wird am Wochenende spielen. Alles andere wird sich nächste Woche zeigen.“ Damit meinte er offensichtlich nur das Testspiel-Wochenende. Nach der Test-Partie gegen die Düsseldorfer EG (3:4) wurde Norris gegenüber der FR konkreter: „Wir haben noch nicht entschieden, ob wir neun oder zehn Ausländer zum 1. Spieltag lizensieren.“
Eine Formulierung, die Interpretationsbedarf birgt. Bekanntlich wollten die Lions vor Saisonbeginn vier Veträge auflösen, nur bei Biron und Kavanagh ist es gelungen. Auf der Liste standen zudem der deutsche Verteidiger Daniel Kunce und Jamie Wright, Kunce, weil mit ihm die Anzahl der über 25-Jährigen überschritten ist (und die Lions mit ihm acht Verteidiger haben), Wright, weil dessen vergangene Saison (auch wegen Verletzungen) enttäuschend verlief. Doch für beide fanden sich keine Abnehmer ohne deutliche finanzielle Einbußen für die Lions. So hieß die Kehrtwende vor dem Trainingslager: „Alle können sich empfehlen.“ Seitdem ruhte die Angelegenheit - bis zu Norris´ Aussage am Mittwoch und seinen nun aktuellen Äußerungen. „Wir sind mit Vielen zufrieden, aber nicht mit allen“, ergänzt er. Ohne einen Namen zu nennen, kann es sich nur um Jamie Wright handeln. Der Kanadier wurde zuletzt erneut durch eine Rückenverletzung zurückgeworfen, gegen seinen Ex-Klub DEG war sein Bemühen zwar erkennbar, viel bewirkte er aber nicht.
Theoretisch können sich die Lions noch Zeit lassen. Wenn Thomas Oppenheimer und Christoph Gawlik, der wegen Leistenbeschwerden gegen Düsseldorf pausierte (und wohl auch am Sonntag in Iserlohn), zum Auftakt zurück sind, hätten die Lions ohnehin 12 Stürmer. Denkbar also, dass Wright nicht sofort lizensiert wird und in die Warteschleife muss. Norris scheint offensichtlich den Markt noch zu sondieren.

VIP-Palazzo

Bislang waren Zirkuszelte an der Eissporthalle – wie aktuell - temporäre Ereignisse. Künftig wird das Palazzo-Zelt des Gourmet-Kochs Witzigmann ständige Einrichtung sein. Denn das neue Palazzo ersetzt das bisherige VIP-Zelt, das schon seit einigen Tagen abgebaut ist. „Wir versprechen uns davon einen echten Mehrwert“, so Lions-Geschäftsführer Stephan Werner. Der Betreung der Sponsoren und VIP´s komme eine immer größere Bedeutung zu, so Werner: „Berlin, Hamburg, Mannheim oder Köln haben in ihren Arenen die entsprechenden Möglichkeiten. Bei uns ist die Lage etwas anders. Deshalb mussten wir uns etwas Besonderes einfallen lassen.“ Bis zum Saisonstart soll das neue Zelt stehen.

Was ist eigentlich „slashing“? - Erinnerung an einen Kultfilm

„Na ja, du hälst den Schläger irgendwie rein und der Schiri pfeift.“ Seit 32 Jahren hat sich im Eishockey nicht viel verändert. Es gab schon immer die Debatte zwischen “old school“ und „delay of game“.
Es sind oft die kleinen Szenen, die ein Eishockeyspiel, auf jeden Fall einen großen Film ausmachen: „Slapshot“, veröffentlicht 1977.
Zeit, mal wieder an die „guten alten Zeiten“ zu erinnern, bevor die DEL-Saison 2009 los geht.

Die Charlestown Chiefs liegen mal wieder zurück, die Spieler nesteln an ihrer Ausrüstung, kühlen ihre Prellungen mit Eis, starren ins Leere, während Spielertrainer Reggie Dunlop versucht, eine „feurige“ Ansprache zu halten: „Wir müssen mehr über außen spielen, jeder muss seinen Mann nehmen. Dann schaffen wir das noch.“ Die Körpersprache verrät etwas anderes und prompt verliert das Team erneut. Aber, die Jungs, die Hanson-Brothers haben ihre „Autos dabei“: „Wir wollen Trauben und Orangen, nicht dieses Scheiß-Malzbier.“ Mysteriös? Klar! Aber!

Old School

Die Story als solche ist schnell erzählt und eher traditionell für ein Sport-Drama: Ein Verliererteam mausert sich zu einer Siegermannschaft (in diesem Fall durch Überhärte) und holt am Ende Cup, Pokal oder Meisterschaft. Doch bei Sportfilmen steckt der Teufel im Detail, in keinem anderen Genre lebt ein Sportdrama von der Authentizität der Spielszenen, der Schauspieler und der Dialoge. Hier hat „Slapshot“, längst ein Kultfilm, nicht nur alles bisherige Filme in den Schatten gestellt, sondern auch für alle späteren die Messlatte (bislang unerreicht) hochgelegt. Dazu steckt die Story voller Witz und überbordendem Spaß vor dem realen Hintergrund einer trostlosen Stahlarbeiter-Stadt, die nach der Pleite des Hauptarbeitgebers selbst vor dem Ruin steht.

Gut, weil Authentisch

Interessantes Detail: Die Drehbuchautorin dieses „Männerfilms“ ist eine Frau, Nancy Dowd.
Sport- und Film-Historiker haben sich bei diesem Film die Mühe gemacht, bei Szenen, Personen, Dialogen, selbst Drehorten zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu vergleichen. Das Ergebnis verwundert kaum: Das gezeigte Eishockey ist „echt“, dass heißt, in vielen Spielszenen mussten nicht mühevoll die Köpfe der Schauspieler auf die Körper von Stuntmen geschnitten werden. Das fängt bei Star und Spielertrainer Paul Newman an, der den Vorzug vor Nick Nolte bekam, weil er Eishockey spielen konnte. Newman´s Rolle wurde der von John Brophy nachempfunden, bis 1973 Spielertrainer der Long Island Ducks, der sein Team oft von der Strafbank coachte.

Die echten Hansons

Viele anderen Schauspieler waren vorher und auch noch später aktive Profis in unteren Ligen. Die legendären Hanson-Brothers, die mit dicken Kassengestellen auf der Nase als gekonnte Slapstick-Einlage durch den Film marodieren, waren nicht nur tatsächlich Brüder, sondern spielten auch für das Film-Vorbild Johnstown Jets als „Carlson-Brothers“ tatsächlich. Lediglich Bruder Jack musste wegen eines Profivertrages durch Jack Hanson (echter Name!) ersetzt werden. Auch viele Figuren gegnerischer Teams wurden realen Vorbildern nachempfunden. So findet der echte Bill „Goldie“ Goldthorpe (1973/Syracus Blazers) seine Entsprechung in dem Film-Raubein Ogie Oglethorpe, laut Story (und real kaum weniger) so berüchtigt, dass er illegal nach Kanada fliehen musste und nur für das Finalspiel in den Reihen der Syracus Bulldogs gegen die „Chiefs“ einmalig auflief.

Mit dem Recorder aufgenommen

Der Darsteller von „Oglethorpe“ ist wohl die Schlüsselfigur für die großartige Qualität des Films. Denn Ted Dowd, Bruder von Drehbuchautorin Nancy, war selbst lange Profi und spielte für das Film-Vorbild „Jets“. Während den langen Auswärtsfahrten und in der Umkleidekabine nahm er die Gespräche unter den Spielern mit einem Rekorder auf und notierte zahlreiche Erlebnisse. So sind nicht nur die Schlägereien für unterklassiges Eishockey der damaligen Zeit typisch und authentisch, in noch viel wichtigerem Maße gilt dies für die Dialoge.

„english pigs“

Wenn etwa der franko-kanadische Torhüter Denis Lemieux über „englische Schweine“ lästert, sind damit erstens alle englisch-sprechenden Nordamerikaner gemeint und zweitens eine immer noch reale Rivalität im nordamerikanischen Eishockey. Im Übrigen meinte Paul Newman später: „Seit ´slapshot´ hat sich meine Sprache verändert. Ich rede nicht mehr wie auf der Schauspielschule, sondern wie die Jungs in der Kabine.“ Am Ende gewinnen die Chiefs zwar die Meisterschaft, aber der Klub wird trotzdem aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst. Auch das Realität im US-Profisport.
Neben Drehbuch und Schauspielern hat ein Mann maßgeblichen Anteil an diesem, sagen wir es ruhig, besten bislang produzierten Sportfilm: Regisseur George Roy Hill, später berühmt geworden durch den Western-Klassiker „Butch Cassidy and Sundance Kid“. Hill gelingt es dabei, auf die Kraft des Sports selbst und seiner Authentizität zu vertrauen. Und die deutschsprachige Version bietet einen ganz seltenen Genuss: Abgesehen von dem eher unglücklichen Titel „Schlappschuss“ ist die Synchronisation mit das Beste, was in Deutschland produziert wurde.

A statt C – Young nimmt´s gelassen

Am Sonntag im Testspiel gegen die Kölner haie lief Jason Young zum ersten seit er in Frankfurt ist, vor heimischer Kulisse ohne das “C” auf der Brust auf. Die Fans empfingen ihn wie immer lautstark, für den neuen Kapitän Eric Schneider gab es freundlichen Applaus. Missfallensäußerungen? Fehlangzeige. Von einem “Fall Amanatidis” bei den Lions kann daher nur bedingt die Rede sein. Beim Fußball-Bundesliga Eintracht Frankfurt hat der Kapitänswechsel bekanntlich beim bisherigen Spielführer Ioannis Amanatidis für erheblich Ärger und Wirbel gesorgt. Zwar rieben sich auch im Umfeld der Lions Viele die Augen, doch ein öffentlicher Streit blieb aus.
Trainer Rich Chernomaz erklärte den Wechsel so: “Wir wollten in dieser Saison einfach einiges neu machen, frischen Wind rein bringen. Eric Schneider ist ein guter Charaktertyp und bei den Kollegen respektiert. Young ist weiter ein Leader in unserem Team. Wir haben die Verantwortung jetzt einfach breiter verteilt.” Young selbst sieht in dem Wechsel keine Degradierung: „Ich fühle mich nicht zurückgesetzt. Wenn es so wäre, hätte ich auch das A abgelehnt. Manchmal ist es ganz gut, wenn die Kollegen mal eine andere Stimme hören.“
Für ihn kam der Wechsel wohl nicht überraschend. Vergangene Saison hatte er zum Ende hin oft mit sich selbst zu kämpfen. “Ich werde mich jetzt voll auf meine Leistung konzentrieren und versuchen, damit Vorbild zu sein.” Sicherlich wird dieser Wechsel auch dadurch erleichtert, dass der neue Kapitän auch ein neuer Spieler ist und nicht ein langjähriger Teamkollege. Lions-Veteran Michael Bresagk und mit dem “A” auf der Brust, sieht die Angelegenheit ebenfalls sachlich: “Manchmal kann ein Wechsel nicht schaden. Young ist so oder so eine Führungspersönlichkeit bei uns.” Dass der Vorfall nicht ähnliche Wellen wie beim benachbarten Bundesligisten geschlagen hat, begründet Bresagk ganz trocken: „Eishockeyspieler sind keine Heulsusen.“

Bresagks Verletzung nicht dramatisch

Als Michael Bresagk im Testspiel gegen die Kölner Haie nach dem 1. Drittel nicht mehr aufs Eis kam, schwante vielen Zuschauern Schlimmes. Doch es hatte ihn nicht an der in der vergangenen Saison lädierten Schulter getroffen, sondern am Knie. Kölns Torsten Ankert hatte ihn dort mit seinem Knie gecheckt. „Nichts Ernstes“, so Bresagk, „ich bin aus Vorsicht raus gegangen.“

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