Cherno coacht Canada
Lions-Trainer Rich Chernomaz wurde zum Coach des kanadischen Teams beim Deutschland-Cup (7.-9. November) berufen. Sein Assistent wird der derzeit joblose Doug Mason (früher Köln) sein. Team Kanada, das am kommenden Mittwoch in Köln noch einen Test gegen das von Uwe Krupp trainierte deutsche Team absolviert, besteht hauptsächlich aus kanadischen DEL-Profis, lediglich einer kommt aus Österreich. Allerdings nicht der einstigen Frankfurter Pat Lebeau, der in Wien spielt und Topscorer in Österreich ist. Dafür sind gleich vier Lions-Akteure dabei: Matthieu Biron und Chris Armstrong aus der Abwehr und die Stürmer Jamie Wright und Derek Hahn.
„Es ist eine absolute Ehre für mich, Kanada beim Deutschland-Cup vertreten zu dürfen. Und auch die Spieler sind stolz, eingeladen worden zu sein“, so der Lions-Coach. Um als mehr als Ehre geht es allerdings nicht, außer der Erstattung der Fahrtkosten gibt es keine Extra-Entlohnung. Am 8. November hat Chernomaz mit seinen Team ein „Heimspiel“ in Frankfurt. Vor der Partie der Deutschen gegen die Slowakei (18.30 Uhr) trifft er mit Kanada auf die Schweiz (14.30 Uhr). Karten gibt es übrigens bei www.frankfurt-ticket.de oder an der Tageskasse in den Kategorien zwischen 18,20 und 46,40 Euro. Die Tickets gelten für beide Spiele.
Der moderne Beckett: Warten auf Gordo…
Sportlich war die Reise der Frankfurt Lions nach Berlin mit einem Punkt ein Teilerfolg, bürokratisch ein Schlag ins Wasser. Denn im Idealfall hatte Manager Dwayne Norris erhofft, auf der kanadischen Botschaft wichtige Papiere in Empfang nehmen zu können. Nämlich jene Bestätigung, dass Ian Gordon aus der kanadischen Staatsbürgerschaft entlassen und somit sofort Deutscher sei. „Nach meinen Informationen sind die Unterlagen vor 14 Tagen in Kanada abgeschickt worden. Keine Ahnung, warum das so lange dauert. Vielleicht sind sie per Schiff unterwegs“, nimmt Norris die „Causa Gordon“ mittlerweile nur noch mit Ironie auf. Hoffentlich nicht gemäß dem Drama von Samuel Beckett „Warten auf Godot“, wo selbiger nie auftauchte.
Unterdessen waren die Lions am Mittwoch mit dem Bus unterwegs zum heutigen Gegner Ingolstadt. Die Hoffnung, dass bis zum Heimspiel am Sonntag gegen Wolfsburg (18.30 Uhr) der Fall vom Tisch ist, hegt der Manager nicht mehr. Jetzt hofft er, dass bis spätestens zur Deutschland Cup-Pause (3.-13. November) die Sache endgültig vom Tisch ist.
Vieles spricht dafür, dass bei den Panthern erneut Jamie Wright pausiert. Denn Pat Kavanagh spielte in Berlin eine 3-Punkte-Partie, Jeff Heerema traf gegen Mannheim zweimal. Und die Defensive will Trainer Rich Chernomaz weiter stabil halten.
„Fuck the Powerplay!“
War der Sieg gegen Mannheim jetzt ein ein „Big Point“? Gefühlt auf jeden Fall! Siege gegen die Adler sind immer süß, dieser doppelt. Denn es war der erste „Dreier“ seit vier Wochen – und das auch noch ohne Powerplaytor. Die Lions halten damit gleich zwei Serien: Die, der Mannschaft ohne Powerplay seit acht Spielen – das gab es noch nie in der DEL. Aber, das ist der andere Aspekt: Noch nie hat eine Mannschaft seit zwei Jahren ohne Überzahltreffer in diesem Zeitraum dennoch drei Siege gelandet!
„Ich sage zu diesem Thema nur noch einen Satz“, hub Lions-Coach nach diesem Sieg an: „Wir haben vier Tore fünf gegen fünf gemacht. Das sagt viel mehr über unsere Stärke.“ Wer will dem widersprechen. Obwohl nur auf Rang neun, fehlen den Lions zu Platz fünf nur drei Punkte, zu Platz 1 nur sieben. Auch wenn es gegen Mannheim im Powerplay erneut nicht funktionierte, „hat das Powerplay besser geklappt als zuletzt und dem Team insgesamt Luft gegeben.“
In kleiner Runde räumt „Cherno“ allerdings auch ein: „Diese verrückte Negativ-Powerplay-Serie wirkt wie ein Stigma. Alle kennen die Statistik.“ Speziell, als im ersten Powerplay auch noch das 1:0 für Mannheim fiel, gab es für einen Moment ein kollektives Aufstöhnen: „Oh shit, auch das noch.“ Und auf der Spielerbank wurde schon geflachst: „Wir sollten besser unsere Unterzahlformation im Powerplay aufs Eis schicken“, so ein Spieler.
Doch die Lions steckten diesen Schlag weg und lieferten ein „Super-Charakter-Spiel“, so Manager Dwayne Norris.
Sicher, die Adler hatten nach drei Niederlagen in Folge an diesem Tag auch nicht ihre beste Form. Aber wer schreibt vor, dass die Lions immer den Aufbaupartner spielen müssen? Der Gegner schwächelt, die Lions schlagen zu, fertig. Und nehmen den Druck von sich selbst. Die Faustkampfeinlage nach drei Minuten war ein Zeichen: „Ihr könnt uns nicht in unsrem eigenen Stadion herumschubsen“, so Chernomaz.
Und die Tore von Josh Langfeld und Jeff Heerema taten diesen auch persönlich gut. Langfeld hatte nach starken Saisonbeginn acht Spiele nicht getroffen, Heerema sogar drei Spiele auf der Tribüne verbracht. „Das nimmt auch individuell Druck von den Jungs“, so „Cherno“ verständnisvoll. Doch die „Axt von Manitoba“ ist kein heuriger Hase im Trainergeschäft: „Sicher, der Sieg gegen war extrem wichtig. Aber das war nur ein Schritt.“ Als Psychologe hat er vor dem Spiel nicht viel gesagt: „Manchmal ist weniger mehr.“ Ein Credo, das in jeder Sprache der Welt verstanden wird. Genauso wie seine Parole: „We gonna fuck play better!“ Das sah gegen die Adler schon recht ansprechend aus.
5 auf einen Streich - die Lions sind die Meister aller Serien
Seltsame Serien, die die Frankfurt Lions da aufbauen. 14 Jahre lang gegen die Kassel Huskies zu Hause in der Hauptrunde ungeschlagen. Auch nach dem vergangenen Freitag beim 3:2-Sieg nach Penaltyschießen. Das ist bekanntlich Rekord. Aber sechs Spiele in Folge ohne Powerplaytor ist auch Rekord, allerdings eher ein negativer. Und vier Spiele in Folge in die Verlängerung (Mannheim, Hannover, Duisburg, Kassel) ist genau so rekordverdächtig. Darüber hinaus haben die Lions in den vergangenen fünf Partien pro Spiel nie mehr als zwei Tore in regulärer Spielzeit geschossen. Und 11 Spiele, genauer seit Saisonbeginn, sind sie ohne ein Verteidigertor. 5 Serien en vogue. Aber was sagt einem das?
Den meisten Besuchern des Hessen-Derbys hauptsächlich eines: „Glück gehabt. Spielerisch war das sehr dürftig.“ Dem widersprechen weder Trainer Rich Chernomaz noch die Spieler. Dennoch urteilt Cherno erstaunlich milde über die Vorstellung: „Sieg ist Sieg. Das zählt.“ In der konkreten Analyse wird der Coach konkreter, ohne die Mannschaft anzuprangern: „Alle versuchen ihr Bestes. Aber es läuft nicht so richtig, das merken alle. Der Druck ist für alle groß“, nimmt er sein Team in Schutz. Cherno, der Psychologe, will den Druck nicht noch erhöhen. Cherno, der Trainer, sieht genau, woran es hakt. „Wenn du in der Offensive keinen Rhythmus hast, ist jeder Fehler hinten tödlich.“ Etwa die überflüssige Strafzeit von Lance Ward zu Beginn des Schlussabschnitts, die die 1:0-Führung kostete. Solange die Lions nach vorne nicht produzieren können, wiegt jeder Patzer doppelt. Fast schon ein Wunder, dass sie ohne ihr Powerplay dennoch zwei von sechs Spielen gewonnen haben.
Symptome lassen sich einige ausmachen. Die erste und zweite Reihe, bestückt mit Importspielern, funktionieren nur bedingt. Für das gesetzte Paar Young/Taylor wird immer noch der richtig passende Partner gesucht: Heerema, Wright, Kavanagh – so richtig zündet der Funke mit keinem, auch wenn Young zum wichtigen 2:2 traf. Vor allem, weil Taylor das offensive Bully gewann.Aus dem zweiten Block traf diesmal Hahn zum 1:0 und beim Shootout. Insgesamt scoren diese beiden Reihen nicht konstant genug. So mussten Danner, Oppenheimer, Wörle und Gawlik zuletzt die Kohlen aus dem Feuer holen.
Dazu kommt das Blueline-Problem. Biron, Slaney, Armstrong oder Michael Bresagk hätten dafür das Potenzial, aber keiner dieser vier hat auch nur annähernd das Tor getroffen. Teilweise gehen die Schüsse drei Meter vorbei. So sagen die 50 Schüsse gegen Hannover und 43 gegen Kassel nicht viel aus. Es hätten mindestens 10 mehr auf das Tor sein müssen.
Es geht also um den berühmten Knoten, der mal platzen muss, den Befreiungsschlag. Irgendwie sind die Lions noch dabei in der DEL, auch weil der Rest der Liga genau so wenig konstant ist. Nur, wann der Knoten platzt, darüber rätselt selbst Cherno. Solange basteln die Lions an heimlichen und unheimlichen Serien.
Der elfte Mann - oder das 10+1-Dilemma der Lions
In Carol Reeds Wiener Nachkriegs-Kino-Drama sorgte der „dritte Mann“ für Unruhe, bei den Frankfurt Lions sorgt der „elfte Mann“ für Gesprächsstoff. Zwar dürfen die Klubs in der DEL jeweils zwölf ausländische Akteure unter Vertrag haben, aber nur zehn eingesetzten. Die Lions haben aktuell elf, was ein Vorgriff auf die erwartete und erhoffte Einbürgerung von Torhüter Ian Gordon war. Doch die zieht sich hin wie Kaugummi, weil die Entlassung aus der kanadischen Staatsbürgerschaft noch aussteht. So muss Trainer Rich Chernomaz vor jedem Spiel entscheiden, welcher Import-Spieler auf der Tribüne Platz nimmt. Zunächst war dies Verteidiger Lance Ward, dann Jeff Heerema für je drei Spiele.
Zwar beteuert Chernomaz, „dass beide spielen würden, hätten wir nicht dieses Lizenzproblem“, die Zwangspausen für die zwei seien keineswegs als Strafversetzung zu verstehen. Andererseits räumt der Lions-Coach jedoch ein: „Diese Situation gibt uns gleichzeitig die Möglichkeit, einen gewissen Konkurrenzdruck im Team zu erzeugen.“ Theoretisch jedenfalls.
In der Praxis allerdings scheint sich dieser Effekt nicht so recht einzustellen. Zwar haben die Lions ohne Heerema dreimal gepunktet, aber statt nötigen sechs Punkten am vergangenen Wochenende sprangen nur drei heraus. Ausgerechnet von den ausländischen Akteuren, unter denen der Konkurrenzkampf angefacht werden sollte, kommt derzeit zu wenig. Statt sich für einen Einsatz aufzudrängen, „empfehlen“ sich einige eher für die Tribüne. Ein unerwartetes Dilemma für Chernomaz.
Dazu kommt eine latente Unzufriedenheit unter den Tribünenhockern, auch wenn Manager Dwayne Norris sagt: „Jeder kann sich für einen Einsatz im empfehlen. Wer unzufrieden ist, sollte zuerst selbst in den Spiegel schauen.“ Auch Kapitän Jason Young sieht derzeit kein Unruhe-Potenzial: „Bei uns macht keiner Stunk, alle wissen, wie die Situation ist. Damit muss jeder leben können.“ Sollte man meinen. Aber offensichtlich kann nicht jeder mit dem Konkurrenzdruck umgehen.
Immerhin scheint sich etwas in Sachen Einbürgerung bei Ian Gordon zu bewegen. „So weit ich erfahren habe, sollen die kanadischen Behörden Gordons Unterlagen endlich begutachtet haben“, so Manager Norris. Die Akte ist im Stapel „zu bearbeiten“ also weiter oben gelandet. In Bürokratenkreisen gilt dies als gutes Zeichen…


