google
yahoo
bing

Vor dem Derby in Mannheim: Zurück zum Einmaleins

Rich Chernomaz kann die Komplimente nicht mehr hören. Nach der Niederlage in Hamburg hatte deren Coach Bill Stewart die Lions überschwänglich gelobt, nach der Niederlage gegen die bislang sieglosen Köln meinte deren neuer Trainer Clayton Beddoes: „Diesen Sieg werde ich sicher nie vergessen. Nicht nur, weil es mein erster als Trainer der Haie ist, sondern er weil mir gegen Cherno gelungen ist. Er ist für mich der beste Trainer, den ich je gesehen habe.“
Chernomaz konnte sich darüber nicht wirklich freuen: „Die Wahrheit ist, Köln war heute hungriger als wir, hat verzweifelter um den Sieg gekämpft.“ Besonders Tor zwei und drei der Kölner hätte demonstriert, warum die Haie siegten: „Die haben Verkehr vor dem Tor gemacht, wir nicht.“ Im Grunde das kleine Einmaleins des Eishockeys, „eine Frage der Bereitschaft zum Zweikampf“, so Chernomaz, „wir haben wie in einem Vorbereitungsspiel agiert. In Mannheim dürfen wir uns so einen Auftritt nicht leisten.“ Nachdem zuletzt Lance Ward als überzähliger Inportspieler dreimal aussetzen musste ist es gegen die Adlern gut möglich, dass ein anderer aussetzt: „Es haben einige derzeit Luft nach oben.“
Unterschätzt haben dürften die Lions die Kölner wohl kaum. „Uns war durchaus klar, dass die Haie mit dem Rücken zu Wand stehen und natürlich eine bessere Mannschaft sind, als es der Tabellenplatz zeigt“, meinte Kapitän Jason Young, „aber irgendwie haben wir nicht unseren Rhythmus gefunden. Ich habe zum Beispiel mit meiner Reihe mehr Unter- und Überzahl als fünf gegen fünf gespielt.“
Jubilar Michael Bresagk, der die 600. Partie für die Lions bestritt, hatte die Pleite fast schon geahnt: „Das war schon bei meinem 500. Spiel so und bei meinem 700. DEL-Spiel auch. Vielleicht sollten wir das nächste Mal solche Ehrungen nach dem Spiel machen.“

Die Leiden des Ilja W.

Der Mann leidet. Wegen seinem Kopf in seinem Herz. Vor drei Wochen im Pokal hat Ilja Worobjew jenen fatalen Schlag durch einen Schläger an den Kopf bekommen, der ihn nun mit einer Gehirnerschütterung außer Gefecht setzt. Am Anfang hat sich keiner, auch er selbst nicht große Sorgen gemacht. „Der Ilja ist eisenhart, der kommt bald wieder“, war die einhellige Meinung bei den Frankfurt Lions. Doch kaum setzt er sich aufs Fahrrad oder steigt ein paar Treppen, kommt der Schwindel, kommt der Schmerz. Dazu diese Dauermüdigkeit.
Am Dienstag schaute er beim Training vorbei, das Gesicht bleich. Die Kollegen fragen ihn nach seinem Befinden, ein Klaps auf die Schulter, aufmunternde Worte. Manchmal hört man von verletzten Spielern im Fußball oder Eishockey die sagen: „Wenn man verletzt ist, ist man irgendwie auch nicht richtig dabei“, und wundert sich. Doch im Profialltag zählt nur das Jetzt und Heute, das nächste Spiel. Was soll man auch sagen, wenn man gerade vom Eis kommt und selbst froh ist, gesund zu sein. Im Hintergrund wird geflachst, als Jamie Wright einen Schlittschuhschliff will: „Was, zum zweiten Mal in zwei Tagen? Schieß erst mal zwei Tore, dann sehen wird weiter!“ Der übliche Kabinen-Trashtalk, aber Worobjew sagt: „Oh Mann, wie mir dieser Blödsinn fehlt.“
Die Mediziner können nicht viel sagen. Die CRT-Untersuchung war nicht weiter auffällig, „abwarten“ heißt der ratlose Rat.
Aber genau das ist das schlimmste für den „Frankfurter Bub“, der mit knapp 18 aus Moskau nach Frankfurt kam. Ilja ist ein Krieger, der immer spielt. Vergangene Saison kassierte er zahlreiche Prellungen, einen Rippenbruch, einen Bänderriss. Alles kein Problem für den Kämpfer, der sich in jeden Schuss schmeißt und härteste Checks weglacht. Doch dieser Kopfschmerz, dieser Schwindel, ist schlimmer als ein Knochenbruch: „Ich bin völlig hilflos, das ärgert mich total.“ Und den Lions fehlt dieser „Grinder“, dieser Wühler in den Ecken und vor dem Tor auch. Deshalb ist Trainer Rich Chernomaz auch derjenige, der sich am längsten mit Ilja Worobjew unterhält. Er weiß am besten, wo ihm der 33-Jährige im Team fehlt.

“Oppi” zu Wolfsburg? - “Schmarrn”

Thomas Oppenheimer zu Wolfsburg? Dieses Gerücht, am vergangenen Montag in einer Wolfsburger Zeitung zu lesen, hat die Frankfurt Lions aufgescheucht. „Ich weiß von Nichts“, so Lions-Manager Dwayne Norris überrascht. Letztlich falscher Alarm, Oppenheimer selbst sagte heute beim Training: „Alles Schmarrn, da ist nichts dran. Es gab keinen Kontakt zu einem anderen Klub.“
Noch vor einer Woche hatte Norris bestätigt, dass er gerne mit dem Youngster (19), der vor zwei Jahren „Neuling des Jahres“ in der DEL war, verlängern würde. Doch dessen Manager Stefan Metz, bei dem auch Simon Danner unter Vertrag ist, wolle noch abwarten. Deutsche Talente werden derzeit in der DEL mit Gold aufgewogen und in der Liga sind Wild-West-Sitten eingerissen. „Manche Klubs haben schon bevor die aktuelle Saison losging deutsche Spieler anderer Vereine für 2010 abgeworben“, berichtet Norris. So soll schon jetzt Jason Holland (Ingolstadt) in Düsseldorf unterschrieben haben, sowie Chris Schmidt (Iserlohn) und Yannick Seidenberg) zu den Mannheimer Adlern.
Deshalb musste Norris bei diesem aktuellen Gerücht erst einmal durchatmen, schließlich ist bekannt, dass Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf als einstiger Lions-Manager Oppenheimer nach Frankfurt geholt hat: „Was in der Liga aktuell läuft, ist gesetztlos. Ein Anruf von einem Konkurrenten und ein Spieler ist gleich 20.000 Euro teurer.“ Allerdings bekräftigte auch Oppenheimers Agent Metz: „An diesem Gerücht ist Nullkommanull etwas dran. Unser erster Ansprechpartner sind bleiben die Lions.“ Zumal Oppenheimer in Frankfurt zufrieden ist: „Der Trainer lässt uns Junge viel spielen, das passt.“ Teurer dürfte „Oppi“, wie er genannt wird, aber gleichwohl werden. Talente wie er sind rar im deutschen Eishockey.

“Ich hasse diese Spiele”

Zwischen dem öffentlichen „Cherno“ (Lions-Coach Rich Chernomaz) auf Pressekonferenzen und dem „halb-öffentlichen“ im Gespräch danach ist selten ein nennenswerter Unterschied. Nach dem lauen 5:2-Sieg gegen Duisburg war das anders. Doch zuerst Gäste-Trainer Didi Hegen, Ex- und Neu-Trainer der Duisburger Lachnummer: „Ich bin nicht unzufrieden. Wir haben 60 Minuten gekämpft.“ Eigentlich hätte die versammelte Presse lachen müssen, was die Höflichkeit aber verbietet. Selbst Cherno verkniff sich jedes Grinsen und meinte: „Duisburg ist besser als vergangene Saison. Besonders offensiv sind sie wirklich gefährlich.“ Nun, ja. Das kann man so sehen.
Den ganzen Beitrag lesen

Ower spielt statt Gordon

Ein kurzer Satz mit viel Erklärungsbedarf: „Gegen Duisburg spielt Thomas Ower im Tor“, so Rich Chernomaz am gestrigen Mittwoch. Der Lions-Trainer war sich der Wirkung seiner Worte bewusst, deshalb erklärte er auch sofort seine Entscheidung, seiner Nummer Eins Ian Gordon eine Pause zu gönnen: „Ower ist der beste Backup-Goalie, den wir seit fünf Jahren haben. Doch er braucht natürlich auch hin und wieder Spiele unter Druck, um sich weiter zu entwickeln.“ Mit Gordon ist die Sache abgesprochen: „Seine bisherige Leistung in den ersten vier Spielen versetzt uns überhaupt erst in die Lage, dass wir diesen Wechsel für ein Spiel wagen können.“

Doch die Chance für das Talent ist das eine, die Situation um die Ausländer-Lizenzen das andere. Denn so lange Gordon noch keinen deutschen Pass, muss einer der elf ausländischen Akteure auf die Tribüne, da nur zehn zugelassen sind. Am vergangenen Sonntag waren die Lions zum ersten Mal in dieser Situation, als der verletzte Jamie Wright wieder einsatzfähig war. Chernomaz musste abwägen, wen er „opfert“ und entschied für eine Stärkung der Offensive gegen müde Düsseldorfer. Angesichts des Sieges die richtige Entscheidung. Doch dafür Verteidiger Lance Ward draußen zu lassen, fiel dem Trainer nicht leicht: „Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass wir mit ihm nicht zufrieden wären. Es war eine reine Positionsentscheidung, welchen Part können wir am ehesten kompensieren. Unter normalen Umständen würde er definitiv spielen.“
Den ganzen Beitrag lesen